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Amtsschimmel

Es geht doch nichts über ein klares Feindbild. Da weiß man doch, wofür – oder besser gesagt – gegen wen man kämpft! Und der erklärte Gegner des Sachbearbeiters der gemeindlichen Baubewilligungsbehörde ist nun einmal der Bauwillige als solcher. Konkreter gesagt: der Antragsteller Herr Schulte-Osthoff mit seinem Plan für mit Unterstand und wetterunabhängig nutzbarer Tretschicht versehenen Paddock für die Jungpferde.

Amt für Investitionsbehinderung, Abteilung Sand und Mulch, Buchstabe N-Un, Zi. 132 - 139, Sachbearbeiter Herr Pieper. Nicht zum letzten Mal wird sich Herr Schulte-Osthoff fragen: „Wer hat sich das ausdenken lassen?“ Sein erster Eindruck: blasser Vogelfreund mit Beamtenstatus und viel Zeit. Sein zweiter Eindruck: noch viel schlimmer. Aufnahmefähigkeit wird durch Bewegung erhöht, das können wir also schon mal vergessen. Der im Umgang mit Pferden aller Temperamente erfahrene Stallchef legt den Antrag für sein Bauvorhaben trotzdem vor.

Im Nachbarbüro bietet ein anderer verzweifelter Antragsteller an, seine Seriosität durch einen mit geistigen Flaschen gefüllten Korb zu unterstreichen. Grober Fehler. Er bekommt nun nur noch Sätze zu hören wie „Weiß ich nicht“, „Kann ich ihnen nicht sagen“ oder „dafür ist der Kollege zuständig“

Der Antrag für die bedarfsgerechte bauliche Ergänzung auf dem Pferdebetrieb liegt ab jetzt in behördlicher und Gottes Hand.

Zum Ortstermin reist der Amtsschimmel auf einem soliden Hollandrad an. Nepomuk, dem Pferd mit etwas mehr gesundem Menschenverstand, fällt auf, dass die Kopfbedeckung des ernst schauenden Radlers denen der Reiter ähnelt, auch bemerkt er die Fahrradklammern und wundert sich über diese milden Sporen. Herr Pieper nimmt die Skizzen für das pferdefreundliche Bauvorhaben aus seinem Fahrradkorb und bemerkt sofort, dass die Fußmatte vor dem Reiterstübchen aus wasserundurchlässigem Material ist. Also eindeutig eine ausgleichspflichtige Versiegelung mit der Notwendigkeit mindestens 15 Schlehenbüsche zu pflanzen, um der heimischen Vogelwelt einen Dienst zu erweisen.

Der geduldige Pferdehalter Herr Schulte-Osthoff zeigt dem ornithologisch bemühten Verwaltungsprofi die Bewilligungspapiere für die Hofbefestigung (welche auch die Basis für die kritisierte Fußmatte bildet). Anbei ist die Bestätigung der hierfür geleisteten „Ersatzmaßnahmen laut § 8a-c BNatSchG“ welche da wären: 1 Hektar Hallendachbegrünung, 1000 Meter Bachuferrenaturierung, Aufforstung der örtlichen Industriebrache und Montage und Wartung von 40 Meisenkästen.

Dieser Ernst macht den lauschenden Pferden großen Spaß. Comtessa ist stolz auf ihren Futtergeber! Schließlich kämpft dieser hier um den Spielplatz für ihre bereits geborenen und zukünftigen Kinder.

Beim Stichwort Meisenkästen wird der Mann zutraulich. Nicht unerwähnt bleibt Herr Piepers Versetzungsbemühen in eine nordfriesische Kleinststadt nahe einer berühmten Brutvogelzone.

Der Rest der Bewilligungsverhandlung ist für den freundlichen Diplomaten Herrn Schulte-Osthoff ein Kinderspiel. Altdeutsche Sorten hochstämmiges Kernobst als Ausgleichsmaßnahme für den neuen Auslauf samt Unterstand. Den Amtsschimmel freut der zukünftig aufgewertete Lebensraum für Singdrossel und Nachtigall, die federlosen Bewohner des Hofes werden zu willigen Verwertern der zu erwartenden „Ausgleichsäpfel“.

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