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Leinenzwang

Es gibt Dreiecksbeziehungen, die von Zweibeinern initiiert aber von den Vierbeinern nicht unbedingt geschätzt werden. Die geteilte Liebe des Reiters zu Hund und Pferd birgt durchaus Konfliktpotential – und zwar nicht nur zwischen den Vierbeinern. Herr Schulte-Osthoffs (unausgesprochene) Einstellung dazu ist pragmatisch: die Tiere regeln das schon selber, wenn nötig… Wie recht er doch hat.

Der menschliche Wunsch nach Regelung befiehlt auf zahlreichen mehr oder weniger freundlich formulierten Schildern in Augenhöhe „Leinenzwang“. Zu Hund-pur (also ohne Leine) und zu Hund-mit-Schnur kennt man diverse fatale Erlebnisberichte von Berufskollegen. Für den Tierarzt ergeben sich aus solch tierischen Konfrontationen oft gleich zwei Patienten. Ein schnurloser Terrier fliegt durch hippologische Starthilfe weiter als sein Artgenosse, der zuvor seine Leine um das Pferdebein gewickelt hatte.

Als ein neuer Jack-Russell-Terrier das Hofgelände erkundet, schwärmt die Vollblutstute Comtessa von der derben Hundezüchtertradition ihrer britischen Heimat. Die inoffizielle aber übliche Qualitätsprüfung für Terrier sieht dort vor, dass ein zukünftiges Zuchttier zwei Tage und Nächte in einer Pferdebox (einer bewohnten!) überleben musste. Comtessa lobt diese vernünftige Tradition: „So gab es nur wenige, aber würdige Gegner.“

Nepomuk zitiert in seiner gewohnt souveränen Art den alten Griechen Xenophon:

  • „Wo das Wissen aufhört, fängt die Gewalt an!“

Und schon beginnt der erste Akt des zu erwartenden Theaterstückes! Die kuhfellige Bellwurst rast über die von Fluchttieren beweidete Koppel. Seltsamerweise wissen kleine Hunde nicht, dass sie KLEINE Hunde sind. Der selbstbewusste Terrier wartet darauf, dass Comtessa sich zum Wälzen hinlegt – um sie endlich stören zu können. Die Legende „Hunde, die bellen, beißen nicht“ wurde erst vergangene Woche widerlegt, seit die Mutter eines Voltigierkindes wenig elegante Stanzlöcher auf Wadenhöhe in der Designer-Jeans hat.

Comtessa erinnert sich, dass Pferden ihrer Herkunft der Ruf hoch- und heißblütiger Unberechenbarkeit vorauseilt. Diesem Ruf will sie nun gerecht werden… nicht umsonst steht „Blut“ im Stammbaum! In Notsituationen müssen Rösser eine pferdegemäße Entscheidung treffen – keine Frage: hier haben wir eine klassische Notsituation. Der Krieg ist eröffnet, Hund und Pferd an der Front.

Die Edelweißblondine von der Nachbarweide bewundert die schöne Comtessa für den kämpferischen Auftritt. Hier folgt ein kurzer Tipp von Stute zu Stute:

„Du musst dich widersetzen!“

Blondie versteht jedoch: „Du musst dich wieder SETZEN.“

Ein Missverständnis, dass die kämpferische Qualität der Haflingerdame nicht optimieren wird.

Wer Nepomuk kennt weiß: er hat ein Pfadfinderherz. In Ermangelung einer gehbehinderten Großmutter hilft er also nun dem erziehungsbedürftigen Terrier über die Straße. Der konzentriert und zielsicher verabreichte flugunterstützende Tritt befördert den zähen Kläffer aus der Gefahrenzone um Comtessa.

Der Hund sieht ein, dass es besser ist, das Abenteuer zu beenden und nicht sein Leben.

Und siehe da, tatsächlich hatte der erfahrene Betriebsleiter Herr Schulte-Osthoff mal wieder recht mit seiner Prognose: „Das regelt sich von selbst.“

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