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Rote Schleife

Variantenreiches lodengrün, robuste Materialien, links vorne das Taschenmesser, rechts vorne das Taschentuch eingesteckt: die klassische Berufskleidung im Arbeitsalltag von Herrn Schulte-Osthoff ist gediegen und zweckmäßig. Seit Jahren, genauer gesagt: seit Generationen. Gelegentlich wird sein Outfit aufgepeppt durch ein fröhliches Grau. Als Nepomuk hört, wie der Chef mit einem Berufskollegen über Bodenpunkte spricht, ist dem gebildeten Wallach klar, dass es sich hier nicht um die dekorative Gestaltung des Ackerbodens handelt.

Doch geht das Thema Mode an den Pferden nicht vorbei. Die letztjährige Rosa-Pastell-Phase hat Nepomuk zähneknirschend, aber gewohnt geduldig er- und getragen. In den Monaten nach Weihnachten zeigt sich immer, was die modebewusste Jugend kollektiv favorisiert. Die elegante Pferdediva Comtessa hielt es gar für eine Hommage der Huffett-Industrie an sie, als endlich Huffett mit Glitzereffekt auf den Markt kam. Das passte ganz wunderbar zu ihrem Swarowski-Stirnband. Ihren Fohlentraum von der roten Schleife am Schweif hat ihr jedoch noch keiner erfüllt.

Der füllige Fuchswallach Nepomuk wird von Herrn Schulte-Osthoffs Enkelin unter bewundernden Blicken eines weiteren Pferdemädchens in die neue Kluft gewandet: Auberginefarbige Schabracke mit apricot getönter Paspel, korrespondierend mit eleganter Fliegenmaske und seidig schimmernden Bandagen, Ton in Ton. Dem Thema „Mode“ sehr zugewandt kommentiert Comtessa mitleidig: „Gelegentlich triumphiert Modemut über Geschmackssicherheit.“

Bleibt der bislang unerfüllte Traum von der roten Schleife, nach der sich die rassige Rappstute weiterhin sehnt. Auch wenn niemand Nepomuk den gesellschaftlichen Schliff ansieht, so weiß er seiner Boxnachbarin doch den entscheidenden Tipp zu geben.

Für den aparten Schweifschmuck in Rot muss ein Pferd sich auf spezielle Art qualifizieren. Es ist sozusagen ein Orden für trittsicheren Kampfeinsatz.

Was tut eine Frau nicht alles für ein neues Paar Schuhe und typgerechten Schmuck… Als ein gut gepolstertes Ziel auf zwei Beinen im Heckradius der schlanken Vollblutbeine erscheint, positioniert die schwarze Dame einen Tritt auf die geometrische Mitte des pummeligen Pflegers. „Das klang wie Melone auf Beton“, beschreiben die Pferdekollegen den Vorgang. Nepomuk – wie immer um Sachlichkeit bemüht – korrigiert: „Nein, das klang wie Beton auf Melone.“

Für solche Spitzfindigkeiten hat die Kämpferin kein Ohr mehr. Der Schreck des umgeschubsten Mannes war zum Glück durch einen Schnaps neutralisiert. Der umsichtige Herr Schulte-Osthoff erklärt allen Kunden und Besuchern die warnende Bedeutung des Accessoires am Schweif des Pferdes.

Freudig erregt nimmt sie den Orden an, der er ihr nun vom Betriebsleiter verliehen wird: die rote Schleife am Schweif!

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